Gabenbringer der Weihnachtszeit

Johann Baptist Sonderland (1805-1878): Des fremden Kindes heiliger Christ. Druck (nach einem Kupferstich), Kunstsammlungen der Veste Coburg)
Johann Baptist Sonderland (1805-1878): Des fremden Kindes heiliger Christ. Druck (nach einem Kupferstich), Kunstsammlungen der Veste Coburg)

Sankt Nikolaus
Durch die Heirat Kaiser Otto II. mit der Griechin Theophanu gelangt der Kult des heiligen Nikolaus von Byzanz nach Deutschland. Vom elften Jahrhundert an wird er hier verehrt und erlangt große Popularität: Über zweitausend Kirchen sind ihm im Abendland geweiht. In seiner Gestalt mischen sich zwei legendäre Persönlichkeiten, einmal Nikolas, Bischof von Myra aus dem 4. Jahrhundert und dann der ca. 200 Jahre jüngere Abt Nikolaus von Sion.

Dem Bischof wird nachgesagt, er habe den drei Töchtern eines verarmten Edelmanns Goldklumpen als Mitgift geschenkt. Das macht Nikolaus zum Bescherer. Der Abt wiederum erweist sich als Wundertäter. Er erweckt drei Schüler wieder zum Leben, das ihnen ein Gastwirt geraubt hatte. Fortan gilt er als himmlischer Kinderfreund.

Nikolaus ist jedoch nicht alleiniger Gabenbringer, er teilt sich dieses Amt mit dem Christkind. Auch Martin Luther kennt und akzeptiert beide. In seiner Abneigung gegen den Heiligenkult – Nikolaus war von der römisch-katholischen Kirche zum „Hyperhagios“, zum Superheiligen stilisiert worden – favorisiert Luther die Stärkung der Position des Christkindes, er nennt es „heiliger Christ“. Der Begriff setzt sich jedoch nicht wirklich durch: Der Volksmund bleibt beim Christkind. Man versteht darunter nicht das Kind in der Krippe sondern eine engelhafte Gestalt, jugendlich und alterslos zugleich. So tritt es den Menschen auch in den Weihnachtsumzügen und -spielen entgegen.

Moritz von Schwind (1804-1871): Herr Winter. „Münchner Bilderbogen“ 1847, Bayrische Staatsbibliothek München Die Darstellung dient vermutlich als Vorbild für den Weihnachtsmann.
Moritz von Schwind (1804-1871): Herr Winter. „Münchner Bilderbogen“ 1847, Bayrische Staatsbibliothek München Die Darstellung dient vermutlich als Vorbild für den Weihnachtsmann.

Der Weihnachtsmann
Nicht mehr kirchlicher Würdenträger, sondern gütiger Greis ist der Weihnachtsmann. Er ist keine wirklich neue Figur, sondern ein säkularisierter Nikolaus. Dieser bärtige Alte in seinem langen Mantel stapft mit einem Tannenbäumchen in der Hand durch den Schnee. Die Darstellung Moritz von Schwinds dient vermutlich als Vorbild für den „Weihnachtsmann“. Und weil sich die Bräuche vermischen, erhält dieser in vielen protestantischen Gebieten ‚Knecht Ruprecht‘ zu seinem Diener. Die Papiermachéherstellung im Sonneberger Wirtschaftsraum, der sich über Südthüringen und Neustadt bei Coburg erstreckt, macht den Weihnachtsmann spätestens im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zum beliebtesten Füllartikel (Bonbonnière). Er wird zu tausenden exportiert.

Thomas Nast (1840-1902), Illustration zu Santa Claus, um 1862, Harper’s Illustrated Weekly
Thomas Nast (1840-1902), Illustration zu Santa Claus, um 1862, Harper’s Illustrated Weekly

Sinter Claas wird zu Santa Claus
Der größte Abnehmer für Papiermachénikoläuse und -stiefel zum Füllen ist der amerikanische Markt. Wahrscheinlich erlangt die Nikolausgestalt im Schmelztiegel Amerikas durch den holländischen Sinter Claas Popularität, daher auch der Name Santa Claus. In New Amsterdam im Staate New York erhalten Anfang des 19. Jahrhunderts die holländischen Kinder am 6. Dezember Geschenke, eine Idee, die auch den New Yorkern gefällt. Bald wird Santa Claus hier nicht mehr als Kirchenheiliger verehrt, sondern verschmilzt mit dem „Weihnachtsmann“ zur sympathischen Figur, derer sich jeder bedienen kann, gleich welcher Religion.

Der erste Schriftsteller in Neuengland, der bereits Anfang des 19. Jahrhunderts mit Veröffentlichungen und einem literarischen Zirkel an der weiteren Verbreitung des heute populärsten Gabenbringers arbeitet, ist wohl der Amerikaner Washington Irving. In der Folgezeit wird aus dem Brauchtum zu St. Nikolaus die Bescherung am Heiligen Abend, eine Bescherung durch den Kamin.

Thomas Nast, der im Alter von 6 Jahren mit seinen Eltern aus dem pfälzischen Landau nach Amerika auswandert, vermittelt ab 1862 den Amerikanern in unzähligen Abbildungen während seiner 24jährigen Tätigkeit als Illustrator und politischer Karikaturist für Harper’s Illustrated Weekly das Erscheinungsbild von Santa Claus.