Weihnachtsschmuck aus Glas, Watte und Luxuspapier

Ausschnitt aus Musterkarte J.S. Lindner Sonneberg, um 1831-35, Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg
Ausschnitt aus Musterkarte J.S. Lindner Sonneberg, um 1831-35, Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg

Der erste Lauschaer Christbaumschmuck
Dazu zählen Ketten aus kleinen oder größeren Glasperlen – in erster Linie aus Ernstthal – aber auch gläserne Früchte und Nüsse, wie sie auf der Musterkarte des Verlegers J.S. Lindner aus Sonneberg um 1831 erscheinen. Ihnen folgen im Jahre 1848 die ersten Weihnachtskugeln in drei Größen und schließlich 1860 Kugeln in den Farben rot, blau, silber und gold und die sog. Schacken, gefärbte Kugeln mit streifig verlaufenden Bleiverspiegelungen.

Die dickwandigen Hüttenkugeln mit ihren Messingkappen, die ebenso der frühen Zeit angehören, entwickeln dank der Bleiverspiegelung eine fast magische Farbkraft. Und auch die bleiverspiegelten mundgeblasenen Kugeln oder Formen sind von erstaunlichem Erhaltungszustand. Man erkennt sie an dem etwas dunkleren Silberton und dem erst nachträglich abgeschmolzenen Einfüllstutzen. Durch ihn wird die mit einer Pipette angesogene Bleilösung gegeben. Außerdem – und das erhöht den kunsthandwerklichen Charakter der Exponate – enden diese in angeschmolzenen Glasösen. Was den gleichbleibenden Farbton anbelangt, so kann offenbar ein bleiverspiegeltes Ornament ein nahezu unverändertes Erscheinungsbild haben, solange das Glas nicht beschädigt wird.

Wattefiguren; Watte, Porzellan, Oblaten, Glasperlen, Wachs, Metall, Holz, Lamettadraht, Farbe, Papier, Krepppapier
Wattefiguren; Watte, Porzellan, Oblaten, Glasperlen, Wachs, Metall, Holz, Lamettadraht, Farbe, Papier, Krepppapier

Weihnachtsschmuck aus Watte
Christbaumschmuck aus Watte gibt es vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Ausgangsmaterialien Zellstoff und Watte sind hierbei auf verschiedene Weise bearbeitet worden: gewickelt oder gepresst und zusammengeklebt.

Häufig wird Watte – in ihrem Erscheinungsbild dem Schnee verwandt – mit anderen Materialien kombiniert. Man dekoriert sie mit glänzenden Oblaten, Tinseln oder Glasstaub. Dabei entstehen in der sächsischen oder thüringischen Hausindustrie Wattepüppchen – oftmals mit Porzellanköpfen und Kleidern aus Krepp-Papier – Nikoläuse, Tiere oder Früchte. Sehr beliebt sind die „Schnee kinder“. Ab den 1920er Jahren werden nicht nur die Köpfe, sondern die ganzen Figürchen aus Porzellan gegossen. Der Formgebung von Watteartikeln dienen auch dünne metallene Lochgitter, meist Abfallprodukte aus der Metallverarbeitung um Nürnberg und Fürth. Solche Exponate – die meisten inzwischen etwas angegraut – werden in der Literatur häufig als „Sebnitzer“ Schmuck bezeichnet. Diese Herkunftsbezeichnung hat sich jedoch als Irrtum herausgestellt.

Klappbild, Oblatten, Seidenpapier, Tinsel, Karton, um 1900
Klappbild, Oblatten, Seidenpapier, Tinsel, Karton, um 1900

Tütchen – Pappe – Luxuspapiere – Oblaten
Süßigkeiten gehören zum ersten Baumschmuck. Von Anfang an hat man sich überlegt, wie die leckeren Genüsse am besten am Baum aufzuhängen sind. Man weiß von Körbchen und Netzen aus Papier und von kleinen Tüten.

Eine andere Form der Verbindung von eßbarem und Papierschmuck sind Oblaten, die zunächst mit geprägten und lithografierten Bildchen geschmückt werden. Die Bilder bleiben schließlich bestehen. Sie werden ihrerseits ganz unterschiedlich verwendet, teils mit Lametta und leonischen Drähten zu eigenständigen Ornamenten aufgewertet, teils auf Karton zu raffinierten Klappbildern bzw. Klappkarten mit erzählerischen Qualitäten und räumlicher Staffelung arrangiert.

Oft ist schwer zu entscheiden, ob es sich bei den Pappornamenten, verziert mit Glimmer oder venezianischem Tau, um häusliche Bastelarbeiten – Anleitungen dazu werden in Bastelbüchern oder Frauenzeitschriften gegeben – oder hausindustrielle Produkte handelt. Auch hier ist die Bandbreite sehr groß, von raffiniert bis äußerst schlicht und für Notzeiten kennzeichnend.